
Onlineschule für fundierte Astrologie
Der astrologische Wetterführer Kapitel 3
(The Weather Guide-Book. A Concise Exposition of Astronomic-Meteorology)
Alfred J. Pearce · 1864
Auf dieser Seite erscheint eine fortlaufende deutsche Übersetzung eines historischen, gemeinfreien Wetterbuches von Alfred J. Pearce. Das englische Original wurde 1864 in London veröffentlicht und gehört zur frühen astrologischen Wetterlehre (Astro-Meteorologie).
Die Übersetzung erfolgt kapitelweise, in der Regel ein bis drei Episoden pro Monat.
Der Text wurde behutsam gekürzt, insbesondere dort, wo ausführliche Berechnungs- und Darstellungsmethoden beschrieben werden, die heute mit modernen astrologischen Programmen und Ephemeriden wesentlich einfacher umgesetzt werden können. Inhaltliche Kernaussagen und methodische Grundlagen bleiben dabei unverändert erhalten.
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Kapitel 3 – der Mond
Viele und völlig unterschiedliche Einflüsse auf das Wetter sind unserem Erdtrabanten zu allen Zeiten zugeschrieben worden. Wie Admiral FitzRoy in einem Brief an den Daily Telegraph schrieb, beruft sich jeder Wetterzauberer auf den Mond; „wir halten es daher für angebracht, dieses Kapitel mit den Bemerkungen von Claudius Ptolemäus zu beginnen“:
„Der Lauf des Mondes ist sorgfältig zu beobachten, am dritten Tag vor oder nach seiner Konjunktion mit der Sonne“ (Neumond), „seiner Opposition“ (Vollmond) „und seinen Zwischenquadraturen; denn wenn er dann dünn und klar scheint und keine weiteren Erscheinungen um ihn herum zu sehen sind, deutet er auf Heiterkeit hin; erscheint er aber dünn und rötlich, und ist sein ganzer unbeleuchteter Teil sichtbar und in schwingendem Zustand, so kündigt er Winde aus der Richtung seiner Breite und Deklination* an; und erscheint er dunkel oder blass und dick, so droht er Stürme und Regenschauer an. Auch alle um den Mond gebildeten Halos** sind zu beobachten; denn erscheint nur einer, hell und klar und allmählich vergehend, so verspricht er heiteres Wetter; erscheinen aber zwei oder drei, so werden Unwetter angezeigt; und wenn sie rötlich und zerrissen erscheinen, drohen sie Unwetter mit heftigen und stürmischen Winden; sind sie dunkel und dick, so kündigen sie Stürme und Schnee an; sind sie blass oder schwarz und zerrissen, so Unwetter mit Wind und Schnee zugleich; und wann immer eine große Anzahl erscheint, werden Stürme von größerer Heftigkeit vorausgesagt.“
* Vergil sagt:
„At, si virgineum suffuderit ore ruborem
Ventus erit: vento semper rubet aurea Phoebe.“
(Georgica I, Vers 430)
Anmerkungen der Übersetzerin:
Vergil schreibt hier sinngemäß: „Wenn der Mond sich rötet, kommt Wind.“ „Phoebe“ ist ein dichterischer Name für den Mond. Der Autor führt das Zitat an, um zu zeigen, dass diese Wetterbeobachtung bereits in der Antike bekannt war.
**Ein Halo ist ein sichtbarer Lichtkreis um den Mond. Er wirkt wie ein großer, blasser Ring oder Hof am Himmel, der den Mond umgibt – manchmal klar abgegrenzt, manchmal nur schwach erkennbar.
Sir John Herschel sagt in seinem Artikel The Weather and Weather Prophets in Good Words vom Januar 1864:
„Der Mond wird häufig als großer Anzeiger des Wetters herangezogen, besonders seiner Veränderungen in Verbindung mit einem bestehenden Zustand von Wind oder Himmel. Als anziehender Körper, der eine ‚luftige Tide‘* verursacht, hat er natürlich eine Wirkung, jedoch eine als meteorologische Ursache völlig unbedeutende; und der einzige Effekt, der eindeutig mit seiner Stellung zur Sonne verbunden ist und mit einiger Sicherheit gerechnet werden kann, ist seine Neigung, den Himmel von Wolken zu klären und nicht nur eine heitere, sondern auch eine ruhige Nacht hervorzubringen, wenn er dem Vollmond so nahe ist, dass er dem Auge rund erscheint – eine Neigung, von der wir uns durch langandauernde und protokollierte Beobachtung überzeugt haben. Dies ist jedoch mehr als eine ‚bloße Koinzidenz‘. Der betreffende Effekt ist, soweit die Aufklarung des Himmels betrifft, auf eine bestimmte physikalische Ursache zurückzuführen, nämlich die von seiner stark erhitzten Oberfläche ausgehende Wärme; warum der Effekt jedoch nicht mehrere Nächte nach dem Vollmond anhält, bleibt problematisch.**
Anmerkung Übersetzerin:
* Mit „luftiger Tide“ ist eine atmosphärische Gezeitenbewegung gemeint – eine sehr geringe Hebung und Senkung der Luftmassen durch die Anziehungskraft des Mondes, vergleichbar mit Ebbe und Flut im Meer, jedoch viel schwächer
**Herschel räumt dem Mond hier nur einen sehr begrenzten Einfluss ein: Er meint, dass um den Vollmond herum häufiger klare und ruhige Nächte auftreten. Alle weitergehenden Wetterdeutungen hält er für übertrieben.
Mondprognosen über das Wetter lassen sich unter drei Hauptgruppen einordnen:
Erstens: einfache Zusammenhänge aus dem Auftreten von Halos, Koronen, Mondregenbögen und eines ‚wässrigen‘ Mondes als Anzeichen von Nässe. Zweifellos weisen sie auf das Vorhandensein von Dampf hin, der in den höheren Luftschichten in Wolken übergeht (im Fall des Regenbogens ist tatsächlicher Regen nicht weit entfernt), und können somit den Anzeichen gleichgestellt werden, die man manchmal aus dem Verhalten von Vögeln gewinnt, insbesondere solcher, die hoch fliegen und lange Ausflüge machen und uns vielleicht eine Vorstellung von ihren Erwägungen über das kommende Wetter vermitteln, die eher zutreffend sein dürften als unsere eigenen, da sie auf einem weiteren Wahrnehmungsbereich beruhen.
Zweitens: rein willkürliche Gesetze oder Regeln, die auf der Tages- oder Nachtstunde beruhen, zu der die Mondwechsel stattfinden. Es gab (oder gab vor wenigen Jahren, denn wir glauben, diese Gattung stirbt aus) kaum einen Kleinbauern oder Landarbeiter, der nicht an bestimmte ‚Wettertabellen‘ im Farmer’s Almanac geglaubt hätte, die (wie wir kaum sagen müssen, fälschlich) Sir W. Herschel zugeschrieben wurden und auf diesem Prinzip beruhten. Andere wiederum stellten die großen und geheimnisvollen Namen Apogäum und Perigäum in den Dienst und behaupteten, den Charakter der Lunation aus ihrer Nähe zu diesen mysteriösen Punkten der Mondbahn bei Neu- oder Vollmond bestimmen zu können. Beide Regeln versagen völlig, wenn sie der Prüfung langandauernder und protokollierter Erfahrung unterzogen werden. Wieder andere zogen ihre Prognose aus dem Charakter des Wetters während des ersten Viertels. Eine solche Regel soll der verstorbene Marschall Bugeaud bei der Planung militärischer Expeditionen, deren Erfolg vom Wetter abhing, strikt befolgt haben.
Drittens: eine ehrgeizigere Form der Mondvorhersage war die des verstorbenen bedeutenden Meteorologen (denn abgesehen von dieser einen Marotte war er es zweifellos), Luke Howard, der der Monddeklination großen Einfluss auf die durchschnittlichen Niederschläge und den Stand des Barometers zuschrieb. Noch mehr galt dies für seinen Wetterzyklus von neunzehn Jahren, die Umlaufperiode der Knoten der Mondbahn; in deren Verlauf das absolute Maximum der Norddeklination eintritt, wenn der aufsteigende Knoten im Frühlingsäquinoktium steht und der Mond in seiner Bahn 90° vor dem Knoten liegt, und das Maximum der Süddeklination unter umgekehrten Umständen, während die Zwischenstellungen des Knotens den absoluten Minima beider entsprechen. Diese Situationen sollten nach der Deklinationstheorie eine periodische Zu- und Abnahme der durchschnittlichen Niederschläge und Barometerstände bewirken. Wie die anderen jedoch führt dies, wenn es in größerem Maßstab mit aufgezeichneten Tatsachen verglichen wird, zu keiner Feststellung einer positiven Schlussfolgerung.“
Anmerkung Übersetzerin:
Herschel erkennt nur unmittelbar beobachtbare Zusammenhänge an; langfristige Mondzyklen und Bauernregeln weist er als unbelegt zurück.
Admiral FitzRoy sagt (Weather Book, S. 256):
„Kurz gesagt: Bei schönem Wetter – nachts – gleichgültig, ob der Mond sichtbar ist oder nicht, ob voll oder nahe einer anderen Phase, besteht eine allgemeine Tendenz (wie so mancher Nachtwächter weiß) zum Verschwinden der Wolken kurz nach dem Abend. Manchmal fällt leichter Regen, und danach ist für einige Stunden keine Wolke zu sehen. Häufiger wird Tau abgesetzt, doch in beiden Fällen verschwinden bei ruhigem Wetter die Wolken bald.“
Saxbys Wetter-System
Mr. Saxby sagt auf S. 100 seines Buches:
„Das Folgende ist es, was Europa heute als ‚Saxbys Wetter-System‘ kennt: Ich fand, dass der Mond niemals den Erdäquator überschreitet oder seine Stellung im solstitialen Kolur* erreicht, ohne dass zur gleichen Zeit eine deutliche Störung der Atmosphäre auftritt. Daher begann ich damit, diese Mondveränderungen und tatsächlichen Wetterstörungen in ein Verhältnis von ‚Ursache und Wirkung‘ zu bringen.“
Wenn das lunare Äquinoktium** oder der solstitielle Kolur mit dem Neumond im Perigäum*** zusammenfällt, „können mit Sicherheit die größten atmosphärischen Störungen erwartet werden, denen unsere Erde ausgesetzt ist.“
Da der Mond etwa einmal pro Woche entweder unseren Äquator überschreitet oder sich in seiner größten Entfernung davon befindet (es ist möglich, dass beides in derselben Woche geschieht), tritt aus dieser Ursache etwa einmal pro Woche eine atmosphärische Störung auf, und sie ist stets nachweisbar.
Bei der Kennzeichnung der Störungsperioden sagt Mr. Saxby:
„Erweist sich der markierte Tag als ruhig und still, misstraue dem folgenden Tag und insbesondere dem zweiten Tag danach.“
Diese Mond-Wetter-Theorie ist vielleicht die bislang beste, doch haben wir beobachtet, dass der Mond nur sekundär wirkt, das heißt dann, wenn seine Stellungen oder Phasen mit denen anderer Himmelskörper übereinstimmen; und Sir J. Herschel sagt, der Einfluss des Mondes sei „als meteorologische Ursache völlig unbedeutend“.
Anmerkung Übersetzerin:
*Solstitialer Kolur: eine gedachte Großkreislinie am Himmel, die durch die Sonnenwendpunkte verläuft.
**Lunares Äquinoktium: die Punkte, an denen der Mond den Himmelsäquator schneidet.
***Perigäum: größte Erdnähe des Mondes.
Saxby leitet aus bestimmten Mondstellungen regelmäßige Störungsperioden ab. Der Autor bleibt jedoch zurückhaltend und betont, dass ein alleiniger Mondeinfluss wissenschaftlich nicht gesichert ist.
In Kapitel I des Weather Book sagt Admiral FitzRoy:
„Es ist bemerkenswert, dass ‚Astro-Meteorologen‘ und ‚Lunaristen‘ nicht bemerkt haben, dass ihre angeblichen Wetterursachen, wenn sie existieren, ganze Zonen unserer Atmosphäre in täglicher Rotation betreffen müssten und nicht nur einen einzelnen Ort; und dass solche Ergebnisse durch die beobachteten Tatsachen nicht belegt sind.“
Es besteht kein Zweifel, dass ganze Zonen von den angenommenen Ursachen betroffen sind; doch könnten nicht verschiedene Orte auf etwas unterschiedliche Weise beeinflusst werden? Ein Aspekt von Saturn oder Venus zur Sonne, der in London starken Regen verursachen würde, würde in Malabar eine kleine Sintflut hervorrufen, da die jährliche Niederschlagsmenge an dieser Küste oft 120 Zoll übersteigt.
Astro-Meteorologen haben seit Langem Beobachtungen aus allen Teilen der Welt gefordert, damit zuverlässige Informationen über die Wirkungen der verschiedenen Stellungen der Himmelskörper in den unterschiedlichen Zonen gewonnen werden können. Und wir glauben, dass Mr. Saxby ähnliche Bitten geäußert hat.
Admiral FitzRoy fährt fort:
„Koinzidenzen werden im Allgemeinen sehr beachtet, doch nur wenige Menschen behandeln sie als bloß zufällig, und sie erhalten oft eine übermäßige Bedeutung.“
Astro-Meteorologen waren stets besonders sorgfältig, nur jenen Koinzidenzen zu vertrauen, die hinreichend häufig auftreten, um jenseits des Bereichs des Zufalls zu liegen.
Im Weather Book, S. 246–247, lesen wir:
„Wiederkehrende Perioden atmosphärischer Wellen von etwa vierzehn Tagen (halb-lunar), von sieben Tagen und von kürzeren Intervallen wurden nachgewiesen (wenn auch verschleiert und unregelmäßig), als mehr oder weniger synchron mit den Mondphasen, gelegentlich sogar über einige Male recht übereinstimmend – was daher auf eine Art Verbindung hindeutet; doch schien eine wahre Ursache zur Erklärung zu fehlen.“
Weiter heißt es:
„Während des Durchgangs des Mondes in seiner Bahn von Quadratur zu Syzygie sollte seine Wirkung auf Luftströmungen zunehmen und umgekehrt. Bei großer Norddeklination sollte sie hier größer sein als bei weit südlicher Stellung, und im Perigäum größer als im Apogäum. Tabellarische Aufzeichnungen zeigen, dass dies tatsächlich der Fall ist.“
Wir entnehmen dem Intellectual Observer vom November 1863 folgenden Absatz:
„Gewitter und der Mond. – M. Bernardin macht die Belgische Akademie darauf aufmerksam, dass viele Gewitter um die Zeit des Neu- oder Vollmondes aufgetreten sind, und fordert zu Untersuchungen auf, um festzustellen, ob ein Zusammenhang zwischen den Bewegungen unseres Satelliten und dem elektrischen Zustand der Atmosphäre besteht.“
Ein Gewitter trat am 20. Mai 1864 in der Nähe des Vollmondes auf – der am 21. um 13 Uhr 24 Minuten stattfand – aber warum? Weil der Mond am 20. um 21 Uhr 28 Minuten an Jupiter vorbeiging und die Sonne am selben Tag die gleiche Deklination wie Merkur hatte, während Mars am 19. 90° von Uranus entfernt war.
Daher „laden wir zu Untersuchungen ein, um festzustellen, ob ein Zusammenhang zwischen den Bewegungen unseres Satelliten“ – und auch der Planeten Jupiter und Mars – „und dem elektrischen Zustand der Atmosphäre besteht.“
Vergil leitete seine gesamte „Wetterweisheit“ aus den Schriften des griechischen Dichters Aratos ab.
Die folgenden Zeilen sind einem schönen Gedicht entnommen, übersetzt aus der Diosemeia des Aratos von Dr. Lamb:
„Wer der Wetter Zeichen deuten will,
Beobachte CYNTHIAs wandelndes Gesicht.
Sieh sie, wenn sie aus östlichen Wogen steigt,
Sieh sie, wenn sie im Westen ihre Glieder badet.
Ist ihr Antlitz am dritten Tag hell und klar,
Fürchten Seeleute weder Regen noch Sturm.
Steigt sie jedoch mit rosigem Schimmer auf,
Erzittern Mast und Tauwerk im Windgebraus.
Erscheint ihr Antlitz stumpf und matt am vierten Tag,
So naht sich Regen oder eine Brise.
Stehen am dritten Tag die Hörner gerade,
Weder zur Erde geneigt noch zum Himmel erhoben,
Erwarte Westwind; und strömenden Regen,
Wenn auch am vierten die Hörner so stehen.
Neigt sie das obere Horn zur Erde hin,
Sendet Boreas aus dem Norden kalten Hauch.
Streckt sie es aufwärts in den Himmel,
So ist Notus mit stürmischem Wind nahe.
Umgibt am vierten Tag ein dunkler, roter Ring
Den Mond, so erhebt sich bald der Sturmengott,
Der mit schäumender Woge den düsteren Himmel peitscht.
Oft umgibt ein HALO CYNTHIAs Antlitz,
Einfach, doppelt oder dreifach gezogen.
Ist ein Ring da und erscheint er gebrochen,
Seeleute, hütet euch – der Sturm ist nah.
Verschwindet er ungebrochen,
Ist die Luft heiter und das Meer still.
Der doppelte Halo bringt stürmisches Wetter,
Dreifache Ringe folgen mit tobenden Unwettern.
Diese Zeichen entspringen CYNTHIAs wandelndem Rund,
Sie warnen den Klugen und leiten den Weisen.“
Anmerkung der Übersetzerin:
Das Kapitel zeigt, dass der Mond seit der Antike als Wetteranzeiger betrachtet wurde. Der Verfasser selbst tritt jedoch kaum mit einer eigenen festen Behauptung hervor, sondern lässt vor allem Befürworter und Skeptiker zu Wort kommen. Der Mondeinfluss erscheint hier weniger als gesicherte Ursache denn als Gegenstand fortdauernder Beobachtung und Diskussion.
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