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Astrologie Wissen
 

Merkur verbrannt oder Cazimi

Merkur und Venus verbrannt oder in Cazimi

  

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Sobald sie sich wieder genügend von der Sonne entfernten und vor ihr (Morgenstern) oder nach ihr (Abendstern) sichtbar wurden, galten sie als wieder eigenständig wirksam. Der Aszendent steht für den Sonnenaufgang und der Deszendent für den Sonnenuntergang.
Dieser tägliche Ablauf wird im Horoskop im Uhrzeigersinn gelesen – im Gegensatz zum Jahresablauf, der im Gegenuhrzeigersinn verläuft.

In den Bildern könnt Ihr erkennen, dass beim Morgenstern (linkes Bild) Merkur vor der Sonne aufgeht und auch vor der Sonne untergeht. Im rechten Bild ist es genau umgekehrt: Merkur geht nach der Sonne auf und nach der Sonne unter – daher der Begriff Abendstern.
Gehen beide gemeinsam über diese Linien (AC/DC), also in Konjunktion, so galt Merkur – wie gesagt – als verbrannt.

In der hellenistischen Astrologie arbeitete man noch nicht mit Orben; dieses Konzept entstand erst in der arabischen Astrologie (8.–10. Jh.).
Die Araber (z. B. Sahl ibn Bishr) führten eine dreiteilige Staffelung ein, und damit kam ein neues Element hinzu: Merkur in Cazimi.


 

Im Herzen der Sonne (später Cazimi genannt) galt nur ein Abstand von 0°10' als erlaubt – also nicht einmal ein halber Grad Orbis.


Ab 0°10' bis 8° galten Merkur/Venus als verbrannt, und von 8° bis 15° als unter den Strahlen (leicht geschwächt). Dies stimmt auch ungefähr mit den sichtbaren Phasen des Morgen- und Abendsterns überein:


Bis etwa 15° Entfernung verschwinden Merkur und/oder Venus im Sonnenlicht und sind weder als Morgen- noch als Abendstern sichtbar.


Ab 16° erscheinen sie wieder als Morgen- oder Abendsterne – dieser Moment wurde als heliakischer Auf- oder Untergang bezeichnet.

Zusammenfassung

0° bis 0°10" in Cazimi (vorteilhaft)

0°10" bis 8° verbrannt (da zu nahe bei der Sonne um sichtbar zu sein) - geschwächt

8° bis 15° unter den Strahlen (nicht mehr verbrannt, aber noch unsichtbar)

ab 16° heliakischer Auf- oder Untergang – so wurde der Moment bezeichnet, wo Merkur am Himmel wieder sichtbar wurde.

Diese Orben galten jedoch nur so lange Merkur/Venus und Sonne im selben Zeichen standen. Sobald sich die beiden nicht mehr im selben Zeichen befanden – auch wenn sie in einer engen Konjunktion standen, waren sie eigenständig und galten weder als Cazimi, verbrannt, unter den Strahlen oder als Wiedergeburt (nach heliakischem Auf- oder Untergang).

Deutung gemäss der Schumacher-Methode

Bei meiner Methode achte ich stets darauf, mich nicht von moderneren Astrologen beeinflussen zu lassen, sondern mich zunächst an den Ursprung zu halten. Mir geht es nicht darum, moderne Astrologen zu kritisieren, sondern mögliche Verfälschungen, die durch Überlieferungen über die Jahrhunderte – und in der heutigen Zeit vor allem durch das Internet – entstanden sein könnten, von Anfang an auszuschließen.


Ich baue auf dem Ursprünglichen auf, das heißt: Ich versuche, dieses so gut wie möglich zu erhalten, aber gleichzeitig auch neue astronomische Erkenntnisse zu berücksichtigen. Der größte Teil meines Basiskurses beruht daher auf der hellenistischen Sichtweise, bei der der Elementehintergrund wichtiger war als mathematisch exakt berechnete Winkel.

 

Merkur in Cazimi

Orbis: 0°10' – eine sehr seltene Konjunktion. Merkur befindet sich jeweils nur wenige Stunden an dieser Position. Ich halte mich hier an die ursprüngliche, arabische Deutung, welche diese Stellung als besonders günstig ansieht.


Merkur ist dann sozusagen der Günstling des Königs (Sonne). Hier arbeiten Verstand und Verhalten so reibungslos miteinander, dass Genialität oder eine besondere Begabung, die einen beweglichen Körper erfordert, entstehen kann. Solche Menschen werden häufig „entdeckt“ oder von einer Drittperson (König) „gefördert“.

Beispiel: Liane Daydé-Giraud war eine junge Balletttänzerin aus Frankreich mit dieser seltenen Kombination – Merkur in Cazimi. Serge Lifar gab ihr 1951 kurzfristig die Titelrolle Blanche-Neige; der Triumph führte noch am selben Abend zur Ernennung als Étoile – im Alter von 17 Jahren.

 

Merkur verbrannt

in verbrannter Merkur galt als geschwächter Merkur – er war nicht mehr der Günstling, sondern eher so etwas wie der Sklave des Königs (Sonne).
Auch in meiner Deutung geht es in diese Richtung, nur deute ich sie psychologisch: Der Verstand (Merkur – der Sklave) tut das, was das Verhalten (Sonne – der König) will.

Die Betroffenen sind dadurch kaum in der Lage, ihr eigenes Verhalten (Sonne) objektiv (Merkur) einzuschätzen. Solange sie nicht auf einer schiefen Bahn sind, ist das nicht weiter tragisch – immerhin hat ein großer Teil der Menschheit eine solche Merkurstellung.


Bei Menschen auf der schiefen Bahn kann es jedoch dazu führen, dass sie ihr kriminelles Verhalten (Sonne) immer wieder zu entschuldigen wissen (Merkur) – nicht nur vor anderen, sondern auch vor sich selbst.
Und genau darin liegt die Gefahr: Verbrechen können begangen werden, ohne Schuldgefühle zu empfinden (wobei selbstverständlich noch weitere Faktoren im Horoskop darauf hinweisen müssen).

Diese Deutung gilt jedoch nur, wenn beide Planeten im selben Zeichen stehen. Stehen sie in verschiedenen Zeichen, gilt Merkur nicht mehr als verbrannt – gemäß sowohl hellenistischem als auch arabischem Ursprung – und entsprechend auch in meiner Methode.

 

  

Merkur ab 8° bis Ende desselben Zeichens (unter den Strahlen: 8–15° Orbis / nach heliakischem Auf- oder Untergang ab 16° Orbis – in einem zusammengefasst)

Ab einem Orbis von 8°–15° hatten die Araber Merkur als leicht geschwächten Morgen- oder Abendstern gedeutet.
Die Hellenen machten zwar ebenfalls den Unterschied zwischen Morgen- und Abendstern, gaben aber keine Orbengrenze, sondern Zeichengrenzen an.
Das heißt: Wenn Merkur und Sonne im selben Zeichen standen, aber nicht mehr verbrannt waren (also als Abend- oder Morgenstern sichtbar – etwa ab 8° Orbis), galt er für sie dennoch als geschwächt, selbst wenn z. B. 26° Abstand zwischen den beiden lag.

Bei meiner Methode folge ich dieser hellenistischen Sichtweise:
Wenn Merkur und Sonne im selben Zeichen stehen und nicht verbrannt oder in Cazimi sind, so betrachte ich ihn als leicht geschwächt.
Ich mache jedoch keinen Unterschied zwischen Morgen- und Abendstern und auch keinen zwischen „unter den Strahlen“ oder „wieder sichtbar“.

Ab einem Orbis von 8° steht Merkur nicht mehr in Konjunktion zur Sonne, aber solange er sich im selben Zeichen befindet, ist er geschwächt – unabhängig vom genauen Abstand. Anstatt hier feste Orben anzugeben, kann man dies wie einen Schieberegler betrachten:Je größer der Abstand zwischen den beiden, desto geringer wirkt die Schwächung.

Früher wurden Merkur als Morgen- oder Abendstern gemäß den ihnen zugeordneten Zeichen gedeutet:


– Morgenstern = Zwilling (lebendig und aktiv)
– Abendstern = Jungfrau (beständig und empfangend)

Diese Unterscheidung sehe ich heute als überflüssig, da inzwischen neue Planeten entdeckt wurden und ich dementsprechend andere Herrscherzuordnungen verwende (z. B. Chiron als Herrscher der Jungfrau).

 

In der Praxis heißt das also:
Wenn Merkur weder verbrannt noch in Cazimi steht, sich aber im gleichen Zeichen wie die Sonne befindet, ist er leicht geschwächt – und je größer der Abstand, desto geringer die Schwächung.

Auch bei dieser Schwächung geht es darum, dass Merkur (Denken) im Dienste der Sonne (Verhalten) steht. Die Betroffenen haben Mühe, ihr eigenes Verhalten objektiv zu betrachten. Im Gegensatz zu jenen mit verbranntem Merkur sind sie dazu dennoch fähig – auch wenn es ihnen schwerfällt.

Venus in der Deutung

Die meisten wissen, dass sich auch die Venus nicht weit von der Sonne entfernen kann. Auch sie erscheint als Morgen- und Abendstern (es gelten dieselben Regeln wie bei Merkur).

Früher wurde die Venus als Morgenstern der Waage zugeordnet und die Venus als Abendstern dem Stier. An dieser Stelle fallen in jedem Vortrag meist ein paar Stimmen, die rufen:
„Sind Sie sicher, dass es nicht umgekehrt ist?“ oder „Ich habe es genau umgekehrt gelernt.“


Darauf antworte ich immer: „Ja, ich bin mir ganz sicher.“ – Das, was Sie gelernt haben, ist leider ein Missverständnis, das sich irgendwann im Laufe der Überlieferung eingeschlichen und dann weiterverbreitet hat.

Die meisten wissen, dass sich auch die Venus nicht weit von der Sonne entfernen kann. Auch sie erscheint als Morgen- und Abendstern (es gelten dieselben Regeln wie bei Merkur).

Früher wurde die Venus als Morgenstern der Waage zugeordnet und die Venus als Abendstern dem Stier. An dieser Stelle fallen in jedem Vortrag meist ein paar Stimmen, die rufen: „Sind Sie sicher, dass es nicht umgekehrt ist?“ oder „Ich habe es genau umgekehrt gelernt.“


Darauf antworte ich immer: „Ja, ich bin mir ganz sicher.“ – Das, was Sie gelernt haben, ist leider ein Missverständnis, das sich irgendwann im Laufe der Überlieferung eingeschlichen und dann weiterverbreitet hat.

Zum Irrtum kam es, weil viele den Jahresablauf im Hinterkopf haben und denken, dass der Stier im Frühling liegt und die Waage im Herbst – und daher der Stier besser zum Morgenstern passe und die Waage zum Abendstern.


Die Verwirrung entsteht, weil es bei Merkur auf den ersten Blick so aussieht, als ob die Jahreszeiten ausschlaggebend wären (Zwilling = Frühling = Morgenstern // Jungfrau = Herbst = Abendstern). Doch den Hellenen ging es nicht um die Jahreszeiten (die ja ohnehin nicht überall wie in Europa gleich sind), sondern um den Elementehintergrund, auf dem ihre ganze Lehre beruhte. Der Stier gehört zum Erdelement und passt daher mehr zum empfangenden, beständigen Abendstern, während die aktive Waage der Luft angehört und somit besser zum aktiven, denk-orientierten Morgenstern passt. Dies nur am Rande, denn auch bei der Venus ist es für unsere Deutung irrelevant, ob sie als Morgen- oder Abendstern erscheint. Die Regeln und Orben, ob in Cazimi, verbrannt oder einfach geschwächt, weil im selben Zeichen wie die Sonne, sind dieselben wie bei Merkur.

 

Was die Orben betrifft, sei darauf hingewiesen, dass es sich dabei nicht um feste Grenzen handelt – die genannten Werte (z. B. heliakischer Auf- und Untergang) sind Annäherungswerte.

 

Deutung von Venus in Cazimi

Auch hier können wir sagen, dass die Venus sozusagen die Gunst des Königs genießt. Bei Frauen können dies Zuwendungen einer höhergestellten Person (meist eines Mannes) sein, die ihre Schönheit oder Anmut bewundert.Oder sie heiratet in höhere Kreise ein. Bei Mann und Frau kann diese Stellung auf eine Art „Ehrenplatz“ in der Gesellschaft (oder innerhalb einer Gruppe, „Herde“) hindeuten – etwa, wenn jemand Ehrenbürger wird.

Ebenso ist hohes künstlerisches Talent möglich, vor allem wenn es um die Darstellung von Erotik oder des weiblichen Körpers geht.

Beispiel: Marcel Gili war Professor an der École nationale supérieure des Beaux-Arts in Paris und hatte die Venus in Cazimi. Er war hauptsächlich Bildhauer, malte aber ebenfalls. Sein Hauptmotiv war der menschliche, fast immer weibliche Körper.

 

Deutung von verbrannter Venus

Die Betroffenen – gleichgültig ob Mann oder Frau – neigen dazu, sich in Personen zu verlieben, die ihnen nicht guttun. Sei es, dass sie von diesen zu übertriebenem Genuss und Verschwendungssucht verführt werden, oder dass sie sich auf unlautere Machenschaften, vor allem im erotisch-finanziellen Bereich, einlassen. 

Deutung der Venus ab 8° bis zum Ende deselben Zeichens

Eine Venus im selben Zeichen wie die Sonne hat nicht so starke Auswirkungen wie beim Merkur.

Bei Frauen kann sich dies darin äußern, dass sie ihre Erotik an den Partner anpasst – also nicht ihre eigene erotische Ausstrahlung entwickelt, sondern automatisch die Wünsche des Mannes als ihre eigenen empfindet und sich dementsprechend kleidet.
Das hat jedoch selten negative Folgen, sondern kann eine Beziehung sogar stärken – sofern sie dabei keine besonders starken sexuellen Wünsche unterdrücken muss.

Beim Mann konnte ich bisher keine spezifischen Auswirkungen erkennen.                 Zur Kursübersicht

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